Antrag

Antrag Glyphosatverbot auf Gemeindeflächen

Die Mitglieder der Gemeinderatspartei „FÜR HALL – Unabhängige Bürgerliste“, 2. Vizebürgermeister Ing. Wolfgang Tscherner, Gemeinderätin Claudia Weiler und Gemeinderat MMag. Nicolaus Niedrist, BSc., stellen zu Tagesordnungspunkt 15. „Anträge, Anfragen, Allfälliges“ der Gemeinderatssitzung vom 3.7.2018 nachstehenden

                                        ANTRAG:     

Der Gemeinderat wolle beschließen, dass auf Grundstücken der Stadt Hall und der Hall AG, welche zur Verpachtung oder Verpachtungsverlängerung gelangen folgender Passus in den jeweiligen Vertrag  aufgenommen wird :

„Dem Pächter ist es untersagt gesundheits- oder umweltschädliche Pestizide ( also Herbizide, Fungizide, Insektizide wie z.B. Roundup etc. ) auf dem Grundstück aufzubringen“. Da in die bestehenden Verträge nicht eingegriffen werden kann sollte diesbezüglich ein entsprechendes Schreiben an die Pächter ergehen worin ersucht wird, auf Pestizide ab dem nächsten Anbau freiwillig zu verzichten und auf  alternative Bewirtschaftungsformen umzustellen.

Weiters sollte ein entsprechendes Schreiben an die Eigentümer aller sonstigen in Hall landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen ergehen wie oben für bereits verpachtete Flächen vorgeschlagen.

Ebenso sollte in diesem Sinne in der Stadtzeitung in Hall ein Bericht veröffentlicht werden.

Begründung:

Die Gemeinde Hall In Tirol hat im Jahr 2017 beschlossen Glyphosat im eigenen Wirkungsbereich nicht mehr zu verwenden da es von der Weltgesundheitsorganisation im März 2015 als wahrscheinlich krebserregend eingestuft wurde.

 Französische Imker haben mittlerweile gegen den Chemiekonzern Bayer Anzeige erstattet da sie Rückstände des Unkrautvernichters Glyphosat im Honig festgestellt haben.

In den USA läuft eine entsprechende Klage eines krebskranken Bürgers gegen Monsanto auf Schadenersatz.

In Hall sind viele  mit Pestiziden behandelten Felder unmittelbar angrenzend an Wohngebiete. Teilweise werden Spritzungen in den frühen Morgenstunden durchgeführt , der Sprühnebel wird entsprechend verfrachtet, Schlafzimmerfenster sind offen.

 Angrenzend an die behandelten Felder sind auch Flächen wo Kinder spielen. In einem speziellen Fall wurde im Jahr 2018 bereits fünfmal das Feld entsprechend gespritzt. (siehe nachfolgende  Fotos und Zusammenstellung Glyphosat und seine Auswirkungen)

Feld mit Jungzwiebeln 2018 bereits 3 x gespritzt
Frisch umgepflügtes Feld nach teilweisem abernten des Jungzwiebels wieder behandelt nachdem nach dem Abernten schon gegen Ampfer gespritzt wurde.
Neu bepflanztes Feld wieder behandelt
Neu bepflanztes Feld wieder behandelt
Braune Feldränder mit abgestorbener Vegetation nach dem Spritzen
Braune Feldränder mit abgestorbener Vegetation nach dem Spritzen
Braune Feldränder mit abgestorbener Vegetation nach dem Spritzen

Pflanzengift GlyphosatGefahren

„Die Reise des Glyphosats“ oder „Wie gelangt Glyphosat in unsere Umwelt?“

Direkt betroffen bzw. ausgesetzt, sind die AnwenderInnen von glyphosathaltigen Herbiziden, indirekt ausgesetzt sind KonsumentInnen deren Einkäufe aus mit Glyphosat behandelten Lebensmitteln hergestellt wurden. In den Böden der landwirtschaftlichen Flächen kann Glyphosat und das wesentlich stabilere Abbauprodukt, AMPA (Aminomethylphosphonsäure) sowohl an Partikel gebunden, als auch in das Grundwasser ausgewaschen werden. Durch abfließendes Wasser oder Drainagen gelangt das Gift in Gewässer. Glyphosat und seine Abbauprodukte finden sich auch in den produzierten Lebensmitteln (z.B. Bier, Brot) und über Futtermittel auch in tierischen Produkten. Festgelegte Höchstmengen orientieren sich an der landwirtschaftlichen Praxis, nicht an einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung von Mensch und Tier. In Österreich wurde in einem Test von Global 2000 in 30% der untersuchten Urinproben Glyphosat gefunden.

Welche Gefahren birgt Glyphosat für den Menschen?

Eine Vielzahl an Studien setzt die Verwendung von Glyphosat mit gesundheitlichen negativen Effekten in Verbindung. Bei der Anwendung treten zum Beispiel Reizungen der Haut und der Augen, Schwindel, Kopfschmerzen, Husten oder Kreislaufprobleme auf.

Bei vielen der gesundheitlichen negativen Effekte handelt es sich um langfristige oder chronische Krankheiten. Im argentinischen Bundesstaat Chaco werden Soja und Reis intensiv mit Glyphosat behandelt. Von 2000 bis 2009 stieg die Krebsrate bei Kindern um das Dreifache und Geburtendefekte stiegen auf das Vierfache an.

Ein ähnlicher Effekt wurde auch in Paraguay beobachtet. Andere Studien weisen auf Zusammenhänge zwischen Glyphosat und Störungen des Hormonsystems hin. Zahlreiche Untersuchungen deuten außerdem auf mutagene und gentoxische Wirkungen hin, die Krankheiten wie Krebs oder Parkinson auslösen können. Im März 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO (Weltgesundheitsorganisation) Glyphosat als für den Menschen wahrscheinlich krebserregend ein.

Welche Gefahren birgt Glyphosat für Tiere?

Die Biodiversität in Land- und Forstwirtschaft wird durch Glyphosat auf verschiedene Art und Weise gefährdet. Eine langjährige Anwendung reduziert die Menge und Zahl der Arten von Bei- und Wildkräutern auf Äckern und in deren Nähe. Davon sind auch indirekt Organismen wie etwa Vögel betroffen. Nachgewiesen wurden auch vermehrte Fehlbildungen bei Embryonen von Fröschen, die mit RoundUp (glyphosathaltiges Herbizid der Firma Monsanto) in Kontakt waren.

Eine direkte Gefahr stellt Glyphosat in aquatischen Lebensräumen dar. Beobachtet wurden z. B. die toxischen Effekte auf Amphibien und deren Larven, geringere Lebenserwartung und reduzierte Fortpflanzung bei Rädertierchen (wirbellose Bewohner des Süßwassers), eine erhöhte Sterblichkeit bei im Wasser lebenden Würmern und eine Veränderungen an Organen von Aalen und Karpfen.

Welche Gefahren birgt Glyphosat für Natur und Pflanzen?

Die Biodiversität in Land- und Forstwirtschaft wird durch Glyphosat auf verschiedene Art und Weise gefährdet. Eine langjährige Anwendung reduziert die Menge und Zahl der Arten von Bei- und Wildkräutern auf Äckern und in deren Nähe. Neben den Zielpflanzen nimmt Glyphosat auch Einfluss auf Böden sowie Kulturpflanzen. In der Umgebung der Wurzeln werden Bodenpartikel und Mikroorganismen beeinflusst und zum Beispiel Nährstoffe wie Mangan und Zink reduziert. Diese chemischen und biologischen Prozesse durch Glyphosat stören die Symbiose von Leguminose mit stickstofffixierenden Bodenbakterien, was einen erhöhten Düngerbedarf zur Folge hat und erhöht ebenfalls die Krankheitsanfälligkeit von Pflanzen (Schwarzbeinigkeit bei Getreide oder Wurzelfäule und plötzliches Pflanzensterben bei Soja). Auch durch Fusarien hervorgerufene Krankheiten treten verstärkt auf. Der großflächige und über Jahre gleichbleibend intensive Einsatz von Glyphosat begünstigt die Resistenzbildung von Wildkräutern und eine sogenannte Entwicklung von ‚Superunkräutern’.

Pestizide: Herbizide, Fungizide und Insektizide

Pestizide sind sogenannte Pflanzenschutzmittel. Mittels chemischer Substanzen werden Pflanzen und Lebewesen zerstört, die als schädlich für den Ernteerfolg angesehen werden. Dabei zerstören sie oft die Artenvielfalt mit zum Teil verheerenden Folgen (Bienensterben).  Es gibt viele Unterarten von Pestiziden. Wir stellen drei der gängigsten Pestizide vor.

Was man  zu Herbiziden wissen muss

Herbizide zerstören in der Landwirtschaft unerwünschte Pflanzen.
Definition: Herbizide sind Mittel, die gezielt gegen bestimmte Pflanzen wirken. Sie werden in der Landwirtschaft eingesetzt, um alle Pflanzen zu zerstören, die als Unkraut angesehen werden. Auch manche eigentlich erwünschten Pflanzen werden mit Herbiziden behandelt. Zum Beispiel können Kartoffeln früher geerntet werden, wenn die grüne Pflanze an der Oberfläche durch Herbizide vertrocknet wird.

Wirkweise: Um die Pflanzen zu zerstören, verändern viele Herbizide die chemischen oder biologischen Prozesse der Pflanze. Dadurch gehen die betroffenen Pflanzen ein. Herbizide können selektiv, also nur auf bestimmte Pflanzenarten, oder auf fast alle Pflanzen wirken. Ein solches Breitbandherbizid ist das viel kritisierte Glyphosat

Risiken: Herbizide zerstören Wildpflanzen. Deshalb geht auch das vielfältige Nahrungsangebot für Insekten zurück. Dies führt zum Insektensterben und ist eine Bedrohung für den Anbau von Obst und Gemüse und somit für die Nahrung des Menschen. Zudem führt das Insektensterben zu einem geringeren Nahrungsangebot für Vögel und andere Insektenfressen. So sinkt auch die Artenvielfalt im Tierreich weiter. Außerdem stehen einige Herbizide im Verdacht, krebserregend zu sein. Breitbandherbizide stehen oft im Zusammenhang mit Genmanipulation, da mit Gentechnik auf dem Feld erwünschte Pflanzen resistent gegen Breitbandherbizide gemacht werden können.

Fungizide gegen Schimmel und andere Pilze

Fungizide wirken gegen Pilzbefall.

Definition: Fungizide sind Pflanzenschutzmittel, die gegen Pilzbefall eingesetzt werden. Typische Pilze sind zum Beispiel Apfelschorf und Mehltau. Die Fungizide sorgen dafür, dass Ernteausfälle durch Pilzbefall, die früher häufig zu Hungersnöten führten, heute nicht mehr vorkommen. 

Wirkweise: Vorbeugende Fungizide hindern Pilzsporen daran, in eine Pflanze einzudringen oder dort zu keimen. Es gibt auch Fungizide, die bei anfänglichem Befall wirksam sind. Bei Mehltau sogar nach Ausbruch der Krankheit.

Risiken: Fungizide bekämpfen nicht nur Pilze, sondern können auch die Umwelt und die menschliche Gesundheit schädigen. Auch indirekte Folgen der Fungizide können die Biodiversität schädigen: Die Fungizide ermöglichen den Landwirten, mehr Getreide auf der gleichen Fläche anzubauen. Durch die dichter wachsenden Pflanzen können 50 Prozent weniger Vögel, als noch vor 30 Jahren auf den Feldern leben. 

Studie: Pestizide gefährden Landwirte und Verbraucher

12. Mai 2015von Andreas Winterer

Der starke Einsatz von Pestiziden in der industriellen Landwirtschaft schädigt die Gesundheit: Betroffen sind Landwirte und ihre Familien, Bewohner ländlicher Räume, Konsumenten und Kleinkinder sowie Ungeborene.

Das ist das Ergebnis der heute veröffentlichten Greenpeace-Studie „Pestizide und unsere Gesundheit – die Sorge wächst“. Demnach stellen Pestizide, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen, einen signifikanten Risikofaktor für viele Erkrankungen dar, darunter Krebsarten, neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer sowie Erkrankungen von Neugeborenen.

Wie so oft bei Giften ist zwar der direkte Nachweis des Wirkungszusammenhangs von Pestiziden und Krankheiten höchst problematisch. Doch laut Studie lassen sich die statistischen Zusammenhänge zwischen der Exposition gegenüber bestimmten Pestiziden und der Inzidenz einiger Krankheiten nicht länger ignorieren.

Der Bericht der unabhängigen Umweltschutzorganisation Greenpeace fasst Ergebnisse aktueller wissenschaftlicher Studien zum Einsatz von Pestiziden zusammen und stellt die zunehmende Zahl von daraus folgenden gesundheitlichen Problemen für viele Bevölkerungsgruppen dar.

Vor allem Landwirten sollte zu denken geben, dass sie sich selbst und ihre Familien eingesetzten chemischen Pestiziden besonders stark aussetzen. Über Nahrung, Kleidung und die Umwelt nimmt der Mensch auf vielen Wegen Chemikalien auf, die im Körper gemeinsam wirken. So mag die Konzentration eines einzelnen Pestizids unter gesetzlichen Grenzwerten liegen, doch im Pestizidmix können sich die Giftstoffe gegenseitig beeinflussen und krank machen. Die Gesundheit von Kleinkindern ist besonders gefährdet, da sie im Verhältnis zu ihrer Körpergröße mehr Gift ausgesetzt sind und ihr Stoffwechsel dieses langsamer abbaut.

Im Jahr 2013 setzte die Landwirtschaft in Deutschland 43.000 Tonnen Pestizide ein. Auf der einigermaßen sicheren Seite sind Kunden, die Bio-Lebensmittel kaufen: diese dürfen nicht mit chemisch-synthetischen Pestiziden behandelt werden (sehr wohl aber mit anderen Mitteln).

Insektizide töten Insekten ab

Insektizide sind unter anderem für das Bienensterben verantwortlich.

Definition: Insektizide wirken gegen fast alle Insekten. Sie werden verwendet, um Felder „schädlingsfrei“ zu machen. Besonders bekannt durch das Bienensterben sind die sogenannten Neonicotinoide.

Wirkweise: Diese Pestizidgruppe vergiften Insekten, um die landwirtschaftliche Produktion vor ihnen zu schützen.

Warum Bienen sterben: gefährliche Insektizide

Seit Jahren gehen die Bienenbestände weltweit kontinuierlich zurück. Doch weshalb sterben die Bienen? Zwei neue Studien beschuldigen erneut Pestizide –…

Risiken: Die Zahl der Insekten ist in Deutschland seit 1990 um 75 Prozent zurückgegangen. Da Insekten für das Bestäuben von Pflanzen wichtig sind, bringt das Insektensterben auch die Nahrungsversorgung der Menschen in Gefahr. Im Bereich der Pestizide geht laut Greenpeace die größte Gefahr für den Menschen neben den Fungiziden von den Insektiziden aus. Zudem sind diese Pestizide im Zusammenhang mit Brustkrebs,  Immunsystemschwäche und anderen Gesundheitsschäden aufgetaucht.

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2. VBgm. Wolfgang Tscherner

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GR Claudia Weiler

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GR Nicolaus Niedrist

Quellen:
Bilder: Wolfgang Tscherner

Als geborener Haller möchte ich in Hall etwas bewegen und unserer nachfolgenden Generation ein lebenswertes Hall hinterlassen, deswegen engagiere ich mich FÜR HALL.